Bauklimatische Betrachtung

Seit Urzeiten suchen Menschen und Tiere Schutz vor den ständig variierenden klimatischen  Einflüssen. Die Haut als grösstes Organs unseres Körpers ist die erste natürliche Hülle. Mittels Bekleidung erweitern wir diese Schutzfunktion erheblich. Im Sommer leicht, im Winter warm angezogen passen wir uns den jahreszeitlichen Schwankungen an.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Als dritte Haut können wir unsere Häuser bezeichnen. Sie werden erstellt, um uns vor Kälte oder Hitze, Nässe und Wind zu schützen. Einfamilienhäuser und Wohnungen grenzen uns zudem von den Mitmenschen ab und ermöglichen die notwendige Privatsphäre. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen beim Bauen Grundregeln beachtrt werden, die für Kleiderhersteller selbstverständlich sind. Auch Baumaterialien sollten hautverträglich sein und keine Allergien auslösen oder Giftstoffe freigeben. Bei Regen will natürlich kein Bewohner  nass werden, aber diese Anforderung darf nicht so umgesetzt werden, dass  die Atmungsfähigkeit des Gebäudes aufgehoben wird. Ein gesundes Raumklima bedingt dampfdurchlässige Abgrenzungen, atmungsaktive Wände und Dächer.

In früheren Zeiten wurden diese Forderungen problemlos eingehalten.  Die vorhandenen natürlichen Rohstoffe liessen keine andere Wahl. Doch die Entwicklung synthetischer Materialien zusammen mit dem Wunsch rationeller und somit günstiger bauen zu können, eröffnete in der zweiten Hälfte des  letzten Jahrhunderts Verbesserungsmöglichkeiten, die bei genauerem Betrachten oft eher als Rückschritte einzustufen sind. Anstatt bessere Wohnungen zu bauen sind zu tausenden Häuser erstellt worden, die in die Kategorie krankmachend eingestuft werden müssen. Viele neuen Krankheitsbilder der sogenannten Zivilisationskrankheiten  können besser verstanden werden, wenn die Einflüsse der geschlossen Gebäude, in denen wir heute den grössten Teil unseres Lebens verbringen, miteinbezogen werden.

Energiesparmassnahmen sind ein  weiterer Schwerpunkt der sowie bei der Planung wie auch bei der Ausführung von Wohnbauten nicht unterbewertet werden soll. Mittlerweile ist es in der westlichen Welt Allgemeingut geworden, dass die fossilen Energieträger irgenwann ausgehen und die Abgase und die dadurch ausgelöste Erwärmung der Atmosphäre für die Erdbewohner schwerwiegende Langzeitfolgen auslösen werden. Dass die Kernkraft nicht die Lösung sein kann, hat der  Unfall in Fukoshima deutlich demonstriert. Die Risiken, die wir damit uns und den den folgenden Generationen aufbürden, sind unverantwortlich gross.

Erneuerbare Energiequellen scheinen die Lösungen zu liefern. Fotovoltaikanlagen, Windräder und Solarpanele für die Erzeugung von warmem Wasser sind die bekanntesten Möglichkeiten. Die klassischen Wasserkraftwerke sind natürlich auch hier einzuordnen,  ebenfalls die Erzeugung und anschliessende Verwertung von Biogas. All diesen Verfahren gemeinsam ist die Tatsache, dass sie einen winzig kleinen Bruchteil der Energie einfangen, die uns die Sonne täglich liefert.

Leider werden auf diese Weise nur wenige Prozente der weltweit benötigten Energie erzeugt. Aus Kostengründen, wegen fehlendem Willen und einem systematischen Verdrängen der Langzeitfolgen, die dieser Raubbau der letzten Jahrzehnte  für das Oekosystem Erde bedeutet, rasen wir mit Vollgas in eine Sackgasse.

Fokusieren wir wieder auf das Thema Energiebedarf eines Wohnhauses auf den Balearen. Es ist klar, dass die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse zwischen Deutschland und Mallorca bedeuten, dass die reichlich vorhandene Fachliteratur für den  deutschen Sprachraum nicht  blind angewendet werden kann für ein Haus des Mittelmeerklimas. Niedrigenergie- und Passivhäuser, deren erfolgreiche Realisierungen in Nordeuropa selbstverständlich geworden sind, müssen im Süden noch mit der Lupe gesucht werden,  obwohl oder gerade weil hier die natürlichen Voraussetzungen   deutlich vorteilhafter sind. Deutlich mehr Sonnenscheinstunden und die wärmere Aussentemperaturen in den kalten Jahreszeiten sind Tatsachen, die den Energiebedarf für Heizung im Vergleich zu Deutschland mindestens halbieren müssten. Dem ist leider nicht so. Einfachverglasungen und fehlende Wärmedämmungen in Dach- und Wandkonstruktionen bewirken oft das Gegenteil, viele mit Heizungen ausgestattete Häuser verbrennen jeden Winter die doppelte Menge Heizöl als vergleichbare Objekte in Nordeuropa.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.