Preisentwicklung

Heute ist es schwierig, Verbindliches über dieses Thema zu schreiben. Ich lebe seit fast dreissig Jahren auf  Mallorca. Damals waren kleine Dorfhäuser ab einer Million der alten Peseten (umgerechnet sechs tausend Euros) im Verkauf  währenddem Bauernhäuser  mit Umschwung ab drei Millionen (18`000€) erhältlich waren. Meist ohne  fliessend Wasser ausgestattet und mit einer sehr rudimentären Elektroinstallation musste für einen ersten Umbau allerdings oft  das doppelte des Kaufpreises miteingerechnet werden.

DSC_0869 redFür Neubauwohnungen in  Strandnähe mussten mindestens vier Millionen ( 24`000 € ) ausgelegt werden, für ein einfaches Einfamillienhaus das Doppelte. Die Mietpreise waren entsprechend niedrig und Fremdfinanzierungen mit Hypotheken waren wegen  zweistelligen Zinssätzen unüblich.

Während fünfundzwanzig Jahren stiegen die Immobilienpreise kontinuirlich an.  Mit dem Eintritt Spaniens in die EU verloren viele Ausländer definitiv die Angst vor einem Hauskauf . Eine grosse Nachfrage heizte einen Bauboom an und die Preise kletterten ohne Einhalt. Die Mietzinse stiegen parallel. Für Einheimische wurde es gemessen an den üblichen Löhnen teuer, doch Banken und Sparkassen halfen aus. Hypoteken wurden salonfähig. Mit viel Fremdgeld wurde gekauft, mit Gewinn weiterverkauft um nun etwas grösseres zu kaufen. Mit Immobilienspekulation Geld zu gewinnen wurde verlockend und weitverbreitet. Die Spanne zwischen den realen Entstehungskosten einer Wohnung und den bezahlten Preisen wuchs. Einige Experten warnten zwar, dass die entstandene Immobilienblase irgendwann platzen muss – doch bis der Finanzcrash wirklich da war, überwog der Glaube an einfach verdientes Geld  der Angst vor dem Bankrott.

cocina pau 24 copySeit 2008 sind  die Preise statt weiter angestiegen endlich gefallen. Je nach Objektart zahlt man heute zwischen zehn und fünfzig Prozent weniger als vor fünf Jahren. Unzählige Langzeitarbeitslose, die die Hypotekarkosten nicht mehr tragen können, versuchen mit grossen Preisnachlässen eine Zwangsversteigerung ihrer Unterkunft zu verhindern. Generalunternehmer, die bis heute überlebt haben und  Kredite amortisieren müssen, wollen ebenfalls mit allen Mitteln leerstehende Neubauwohnungen loswerden und schlussendlich sammeln sich bei Banken und Sparkassen tausende Immobilien an, die sie abstossen wollen. Trotz einem riesigen Angebot zu günstigen Preisen ist die Nachfrage eher bescheiden. Wer Geld hat, ist vorsichtig oder wartet ab, wer fremdfinanzieren muss, findet kein Geldinstitut das ausleiht, es sei denn, man erwerbe ein Objekt aus dem Angebot der entsprechenden Bank oder Sparkasse.

Bei neunzig Prozent der oben genannten Fälle handelt es sich allerdings um Wohnungen und Häuser, die als Ferienresidenz oder Alterswohnsitz wenig atraktiv sind. Notverkäufe von schönen Immobilien an gefragten Lagen sind seltener und deren Preisnachlässe fallen dementsprechend geringer aus. Ich schätze, dass bei diesen Objekten die Anpassung überwiegend stattgefunden hat und die Preise nicht weiter fallen werden.

 

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